Infektionskrankheiten – Influenza

Die Equine Influenza wird in den hiesigen Breitengraden nach neuesten Erkenntnissen durch die Virusstämme Influenza A/Equi -2/Newmarket/2/93 und A/Equi-2/Ohio/03 hervorgerufen. Die Influenzaviren sind zwar verwandt mit dem Erreger der menschlichen Influenza, aber glücklicherweise sind (noch) keine Ansteckungen von Pferd auf Mensch (und umgekehrt) vorgekommen.

Übertragung

Die Tiere infizieren sich mit den Viren über eine Tröpfcheninfektion der Schleimhäute der oberen und unteren Atemwege. Von hieraus breitet sich das Virus innerhalb kürzester Zeit über die gesamten Atemwege aus. Die Ausbreitung des Virus kann aber auch über die Blutbahn erfolgen. Es kommt zur viralen Schädigung des Lungengewebes, die mit Husten einhergeht. Mit jedem Husten werden große Mengen des Virus an die Umwelt in einem Umkreis bis zu 40 Metern abgegeben. Die Virusausscheidung erfolgt vor allem während der Inkubationszeit (zwölf Stunden bis zu drei Tage) und während der ersten fünf Tage nach dem Auftreten klinischer Symptome. Es kann aber auch noch sieben bis zehn Tage von Tieren ausgeschieden werden, die bereits wieder genesen scheinen. Typisch für die Influenza ist die extrem kurze Inkubationszeit. Kommt ein erkranktes Pferd in einen nicht immunen Bestand, so breitet sich die Krankheit innerhalb weniger Tage auf bis zu 100% der Tiere aus.
Die Virusverbreitung erfolgt außer über die Atemluft auch über Träger wie Staub, Futtermittel, Putzzeug, Tiere und Kontaktpersonen.

Krankheitsverlauf

Die equine Influenza ist eine hoch ansteckende, fieberhafte Infektionskrankheit der Atemwege mit bevorzugter Ansiedelung an den unteren Atmungsorganen. Typisch für diese Erkrankung ist ein schlagartig einsetzendes, wiederkehrendes Fieber, das bis zu 42°C ansteigen kann. Nach wenigen Tagen setzt der kräftige, aber trockene und schmerzhafte Husten ein. Außerdem ist klarer, wässriger bis schleimiger Nasenausfluss als Folge der Entzündung der Nüsternschleimhaut zu beobachten. Darüber hinaus kann eine Entzündung der Lidbindehäute mit vermehrtem Tränenfluss auftreten. Die sich anschließende fieberfreie Phase kann Stunden oder auch Tage dauern, dann stellt sich erneut Fieber ein. Meist sind drei oder mehr Fieberschübe bei einer Infektion mit equinen Influenzaviren die Regel. Eine kontinuierlich erhöhte Körpertemperatur ist ebenso wie eitriger Nasenausfluss dagegen ein Zeichen für eine zusätzliche bakteriell bedingte Infektion. Darüber hinaus können vornehmlich bei einem schweren Verlauf eine verringerte Futteraufnahme, Mattigkeit, Apathie und ein allgemeines oder lokales Muskelzittern auftreten. Auch Herzschwäche und geschwollene Gliedmaßen sind möglich.
Die Gefahr dieser Erkrankung liegt in der möglichen chronischen Schädigung des Lungengewebes, die zu einer langfristig reduzierten Leistungsfähigkeit führen kann.

Therapie

Die Therapie besteht in der sofortigen Ruhigstellung der Tiere und Hinzuziehen des Tierarztes zur Behandlung. Nach der Entfieberung sollten die Pferde noch circa drei Wochen nicht geritten werden, um eine chronische Bronchitis zu verhindern.
In der Erholungsphase spielen, neben der Ruhe, die Haltungs- und Fütterungsbefindungen eine entscheidende Rolle: frische Luft, hochwertiges, staubfreies Futter. Auch wenn die Erkrankung abklingt, ohne dass sich Bakterien in der durch die Viren vorgeschädigten Schleimhaut festsetzen können, bleiben die körpereigenen Reinigungsmechanismen der Lunge für gut vier Wochen geschädigt. Werden die Pferde zu früh wieder gearbeitet (empfohlen wird pro Tag mit Fieber je eine Woche Ruhe), so bleiben oft dauerhafte Erkrankungen der Atemwegen zurück. Weiter können Muskelschäden (auch im Herzen) Folge einer Influenza-Infektion sein und zu Leistungseinschränkungen führen.

Prophylaxe

Wichtigstes Handwerkzeug gegen diese wirklich sehr ansteckende Erkrankung ist die vorbeugende Impfung. Wegen der langfristigen Gefährdung der Gesundheit ihres Pferdes durch die Folgen einer Influenzainfektion sind Schutzimpfungen gegen Influenza nicht nur angezeigt, weil Veranstaltungen durch sogenannte Grippewellen gefährdet sind, sondern eben auch weil die erforderliche wochenlange Schonung und gleichwohl möglichen langwierigen Folgen dadurch vermieden werden können. Zugegeben, Influenzafälle oder gar Seuchenzüge werden in Deutschland seit Jahren kaum noch gesehen, aber das lässt sich wiederum auf die konsequente Impfung aller Pferde zurückführen.