Blutegel

Ich habe Blutegel bereits mit Erfolg bei vermehrt gefüllten Sehnenscheiden, vermehrt gefüllten Gelenken und Gallen eingesetzt. Die Therapie mit den Blutegeln bietet meiner Meinung sicherlich keinen Ersatz für den herkömmlichen Einsatz von Entzündungshemmern bei der Behandlung von Gelenks- und Sehnenscheidenentzündungen, sondern eine alternative oder weiterführende nebenwirkungsarme Therapieform.

Namensgebung

Bei dem medizinischen Blutegel (Hirudo medicinalis) handelt es sich um einen Vertreter der Gattung der Schlangen. Das Wort Egel wird von dem griechischen Wort „echis“ abgeleitet, das übersetzt „kleine Schlange“ bedeutet. Die Assoziation des Wortes Egel mit Ekel ist demzufolge falsch.

Allgemeines

Blutegel leben in der Natur nur in klaren und vor allem sauberen Gewässern, Verschmutzungen jedweder Art tolerieren sie nicht. Fast das gesamte Leben verbringen sie im Wasser und nur zur Fortpflanzung suchen sie feuchte Ufergebiete auf. Infolge der schlechteren Wasserqualität ist heute der Egel nur noch selten in unseren Gewässern, vor allem in flachen, kalkarmen Teichen anzutreffen. Für medizinische Zwecke werden Blutegel heute speziell gezüchtet. Die von mir eingesetzten Blutegel gehören zur Gruppe der Fertigarzneimittel nach § 2 Abs.1 Nr.1 Arzneimittelgesetz. Das heißt, dass die von mir verwendeten Blutegel hygienisch einwandfrei sind und somit die Gefahr einer Infektion mit Erregern gering bis überhaupt nicht vorhanden ist.

Egelbehandlung

Die Blutegel wiegen in ausgehungertem Zustand, also beim Ansetzen an den Patienten, zwischen einem und drei Gramm und ihre Länge beträgt meist zwischen vier und zwölf Zentimeter. Vollgesaugt und satt verdoppeln oder verdreifachen die Tiere ihren eigentlichen Umfang. Der Körper des Blutegels ist relativ flach und an beiden Körperenden befinden sich Saugnäpfe zum Festhalten. Die Egel werden an die saubere und rasierte Hautstelle in der Nähe der zu behandelnden Region „angesetzt“. Dieses kann mit Hilfe einer Pinzette oder mit den Fingern geschehen. Die Egel benötigen unterschiedlich lange bis sie anbeißen, allerdings selten länger als 2-3 min. Interessant ist, dass sich die Egel eine Bissstelle „suchen“. Man vermutet, dass sie die wärmste Stelle im Umkreis des Ansatzortes aufsuchen und sich dort festbeißen. Der Vorgang der Suche kann unter Umständen mehrere Minuten dauern, die Vorstellung, dass sich die Egel sofort an allem festbeißen, was ihnen vor die Saugnäpfe kommt, ist vollkommen falsch.Der Biss scheint den Pferden nicht besonders unangenehm zu sein, jedenfalls wird diese Prozedur von den allermeisten Pferden lediglich mit gelegentlichem Aufstampfen quittiert. Der Biss ist sternförmig (man redet hier gerne vom Mercedesstern), und wird durch zirka 80 Kalkzähnchen verursacht, die sich in die Haut raspeln, um zum Blut zu gelangen. Durch Öffnungen zwischen den Zähnchen wird Saliva (Blutegelspeichel) abgegeben.

Sind die Egel fertig, lassen sie sich einfach fallen und können dann gefahrlos „entsorgt“ werden. An der Bisstelle kommt es durch die von den Egeln abgesonderten Blutgerinnungshemmer zu Nachblutungen, die vollkommen normal und erwünscht sind. Allerdings handelt es sich dabei nur um wenige Milliliter Blut.

Wirkungsmechansismen der Egel

Mittlerweile gibt es aus der Humanmedizin mehrere wissenschaftliche Studien und auch Doktorarbeiten wobei “im Verlauf der Untersuchungen sich die Blutegeltherapie als eine trotz ihres ungeklärten Wirkungsmechanismus akzeptierte, gut verträgliche, ohne größeren Aufwand durchführbare und preiswerte Methode erwiesen“ hat (STOCK 2009).

Nach Auffassung der Naturheilkunde beruht die Wirkung der Blutegelbehandlung auf mehreren Faktoren:

  • den Bissreiz selbst
  • im Speichel der Blutegel enthaltenen und abgegebenen Inhaltsstoffen
  • den Aderlass selbst

Die Saliva der Egel enthält die folgenden bisher identifizierten Wirkstoffe:Hirudin (Der Hauptwirkstoff sorgt für die Hemmung der Blutgerinnung), Calin (eine ebenfalls für die Blutgerinnung verantwortliche Substanz im Speichel). Sie bewirkt das Nachbluten der Wunde, welches eine reinigende Funktion einnimmt und mit einem sanften Aderlass zu vergleichen ist.

Des Weiteren sind die Substanzen Hyaluronidase, Egline, Bdellin, Apyrase, Kollagenase, Destabilase, Piyavit und andere in der Saliva enthalten. Die Funktionen und Inhalte all dieser Stoffe sind noch nicht gänzlich erforscht.